Bäsle-Briefe und Flötenquartette

Christoph Well im ausverkauften Rathausfestsaal Von Romi Löbhard

Landsberg – Wäre Wolfgang Amadeus Mozart ein Kind der heutigen Zeit, er wäre, wenn nicht gerade am Komponieren, dann in ständigem, virtuellem Kontakt mit Freunden und Verwandten. Es gäbe dann allerdings nicht die vielen, der Nachwelt erhaltenen Briefe, die er auf seinen Reisen geschrieben hat, die immer wieder für köstliches Amüsement sorgen und die zeigen, dass „Wunderkind“ Mozart zeitlebens ein musikalisches Wunder war, aber im Herzen immer ein Kind geblieben ist.

Genau diese zwei Komponenten haben Christoph Well und das Bäsle-Quartett unter dem Titel „Ich küsse Sie tausendmal und bin Knall und Fall ihr W. A. Mozart“ zusammengeführt und den Zuhörern im ausverkauften Festsaal des Historischen Rathauses in Landsberg einen überaus vergnüglichen, qualitativ luxuriösen Abend beschert.

Bereits die Einführung in das Programm mit neun erhaltenen Bäsle-Briefen und den zu gleicher Zeit entstandenen Flötenquartetten, von Christoph Well, dem 14. von 15 Kindern der Lehrersfamilie Well in Günzlhofen augenzwinkernd unters Volk gestreut, sorgte für erstes Schmunzeln das, nur unterbrochen von vielen Lachern, die ganze Vorstellung nicht mehr aufhörte. Die zwischen 1777 und 1781 verfassten „Bäsle-Briefe“ hat Mozart an seine Augsburger Cousine Maria Anna Thekla Mozart geschickt. Geschrieben hat er, „wie ihm der Schnabel gewachsen ist“, schelmisch und ausgelassen, albern und für heutige Ohren derb bis vulgär. Lausbubenhaft trocken trug Christoph Well die Schreibereien vor, mit denen Mozart nicht nur seine jeweiligen Aufenthaltsorte und seine Unternehmungen mitteilt, sondern auch viel Freude an der Sprache an sich beweist. Da wird rückwärts drauflos fabuliert, Mozart reimt, macht sich über Redewendungen lustig, interpretiert in einzelne Wörter völlig neue Bedeutungen. Ein wenig Angeberei mit den im Verlauf der Reise nach Paris mehr werdenden französischen Brocken ist dabei. Dazwischen eingestreut: erotische Anspielungen und für heutige Begriffe derbe Fäkalwitze, in der damaligen Zeit unter Gleichgestellten durchaus üblich und kein bisschen vulgär. „Es grüßt der alte Sauschwanz…“ ist da noch eine der harmloseren Formulierungen.

Das für den musikalischen Part zuständige „Bäsle-Quartett“ spielte nicht, wie es die Bezeichnung vermuten ließe, in der Verkleinerung, in angepasster, vereinfachter Form. Vielmehr hatten sich unter diesem Namen Luxusmusiker aus verschiedenen Klasseorchestern zusammengetan und Mozarts Flötenquartette eingespielt. So war die Musik nicht nur Auflockerung und Erholung zwischen den lustigen Briefen, sondern überdies hervorragend interpretierte, mozartsche Kompositionskunst. Andrea Ikker (Querflöte) und Yves Savary (Sollocellist) sind an der Bayerischen Staatsoper angestellt, Albena Danailova (Violine) ist Konzertmeisterin bei den Wiener Philharmonikern, Wolfgang Berg (Viola) spielt bei den Münchner Philharmonikern. Die vier Musiker präsentierten sich als munteres Quartett mit viel Spielwitz und machten deutlich, wie heiter Mozart nicht nur seine Briefe verfasste.

03. Dezember 2011 Landsberg