Interview mit Christoph Well

Geretsried – Vor Kurzem verkündeten die Musiker der Biermösl Blosn, ab 2012 getrennte Wege zu gehen. Zeit für Christoph Well, auch einmal etwas Neues auszuprobieren. Am Mittwoch, 30. November, liest er in der Geltinger Kleinkunstbühne Hinterhalt aus Mozarts Briefen an sein „Bäsle“. Dazu spielt das „Bäsle Quartett“ die Flötenquartette des Komponisten.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, aus Mozart-Briefen zu lesen?

Neben Jesus, Michelangelo und Shakespeare ist Mozart einfach mein lieber Gott der Musik. Um nicht krank zu werden, sollte eigentlich jeder Mensch einmal am Tag Mozart hören. Es hat mich auch gereizt, etwas anderes zu machen und nicht nur zu musizieren. Außerdem ist es spannend zu sehen, wie der geniale Komponist in seinen Briefen wieder zum normalen Menschen wird. Die Texte erden ihn einfach. Zudem sind die Flötenquartette zur gleichen Zeit wie die Briefe entstanden. Das passt einfach gut zusammen.

Ihnen fehlt also nichts, wenn Sie nur lesen und kein Instrument spielen?

Nein, ich bin mit dem Lesen schon genug gefordert. Die Texte sind, finde ich, auch sehr musikalisch. Manche Formulierungen erinnern an bairische Gstanzl. Da merkt man die Verwurzelung in der Volksmusik. Zudem ist das „Bäsle Quartett“ eine geniale Besetzung. Da muss ich nicht auch noch meinen Senf dazuhupen.

Waren Ihnen die Texte nicht manchmal selbst zu ordinär?

Ich habe ja selbst eine Dialektfärbung in der Stimme. Und da klingen viele Aussagen nicht so ordinär wie im Hochdeutschen. Außerdem stamme ich aus dem Lechrain. Mozart, davon gehe ich aus, hat sicher einen ähnlichen Dialekt gesprochen. Schließlich stammen seine Eltern aus Augsburg. Und in Salzburg ist er geboren. Da sprechen die Menschen ja im Prinzip oberbairisch.

Schreiben Sie denn selbst noch Briefe?

Mittlerweile schreibe ich meistens nur noch Emails oder auch SMS. Wenn es aber ernst wird und um persönliche Angelegenheiten geht, schreibe ich einen Brief. Das muss einfach so sein.

Lässt sich da von Mozart was lernen?

Genauso wie Mozart kann niemand schreiben. Jeder hat seinen eigenen Stil und muss so schreiben, wie es ihm am besten entspricht. Mozarts Briefe faszinieren mich aber. Er hat so pfiffig formuliert, den Dadaismus oder den Humor eines Karl Valentin vorweggenommen. „Grüß Gott Fuß, auf dem Fenster liegt Haxn“, so etwas kann ich nicht erfinden. Aber schließlich wollte er dem Bäsle gefallen, sich interessant machen und hat darum verbale Purzelbäume geschlagen.

Gibt es weitere konkrete Projekte?

Ich will wieder mehr Konzerte spielen und neue Sachen ausprobieren. Derzeit probe ich auch mit den Wellküren und meinen Brüdern Michael und Karl Well für ein Stück an den Münchner Kammerspielen. Es handelt sich um eine „volksmusikalische Familienaufstellung“ unter der Regie von Franz Wittenbrink. Da werden wir sicher auch aktuelle Themen wie den Niedergang der CSU aufgreifen.

Bedauern Sie da nicht das Ende der Biermösl Blosn?

Einerseits ist es schade, sich nach 35 Jahren auf der Bühne zu trennen. Ich bin aber überzeugt, dass man aufhören muss, wenn es am besten ist. Außerdem bin ich über 50. Da möchte ich noch einmal etwas Neues ausprobieren. Ich sage immer: Eine Tür geht zu und eine Tür geht auf. Nicht zu wissen, was auf einen zukommt, ist gerade das Spannende, was das Leben lebendig macht.

Interview: Benjamin Engel