Fragen an Christoph Well

Ingolstadt (DK) – Zum ersten Mal in seinem Leben gestaltet Christoph Well von der Biermösl Blosn eine Lesung. Der Titel der Veranstaltung: „Mozart-Bäsle-Abend: Es grüßt der alte junge Sauschwanz“. Neben Well tritt noch das Bäsle-Quartett auf (Andrea Ikker, Ulrike Collins, Wolfgang Berg und Yves Savary) und spielt die vier Flöten-Quartette von Mozart. Über sein Programm unterhielt sich unser Redakteur Jesko Schulze-Reimpell mit Christoph Well.

Als Musik-Kabarettist nehmen Sie sich Mozart vor. Ist an Mozart ein Kabarettist verloren gegangen?

Christoph Well: Also, Mozart traue ich alles zu. Der hätte bestimmt ein sehr gutes Musik-Kabarett geschrieben – wenn er denn gewollt hätte und wenn es zu seiner Zeit die CSU schon gegeben hätte. Wenn man z. B. an den Figaro denkt, der ist voll von politischen Anspielungen und macht sich über Autoritäten lustig.

Werden Sie in Neuburg wirklich nur vorlesen?

Well: Nur vom Vorlesen zu reden klingt ein bisschen abschätzig. Es handelt sich um einen sehr anspruchsvollen, teilweise valentinesken, dadaistischen Text. Der ist richtig schwer zu lesen, ich habe bestimmt über ein Jahr daran gearbeitet. Man muss aufpassen, dass man bestimmte Passagen nicht falsch betont, sonst erfasst der Zuhörer den Sinn nicht. Aber es macht einen riesigen Spaß. Und die Briefe sind auch sehr musikalisch und voller wilder Assoziationen: Da kommt plötzlich ein völlig anderes Seitenthema, das mit dem vorherigen Gedanken überhaupt nichts zu tun hat. So hat er auch komponiert, unglaublich frei und fantasievoll. In den Briefen spart er kein Thema aus, trotzdem sind sie für mich niemals ordinär oder krachert.

Warum beschäftigen Sie sich jetzt gerade mit Mozart?

Well: Mozart ist mein absoluter Lieblingskomponist. Ich habe mir sein Lebenswerk aufs iPod übertragen, alle Köchelverzeichnis-Nummern, der Reihe nach, auf elf mal sechs mal ein Zentimeter. Das Reizvolle für mich ist, was in diesem genialen Kopf alles gleichzeitig vorgegangen ist. Man weiß ja relativ wenig von dem Menschen Mozart. Er beschreibt in den Briefen ja fast nie seine eigenen Befindlichkeiten. In den Bäsle-Briefen kommt an ein paar Stellen etwas vom Menschen Mozart rüber. Die Vorstellung, dass diese geniale Hand, die diese göttliche Musik komponiert hat, auch diese Texte geschrieben hat, begeistert mich. Die Musik wird geerdet durch die Texte, und die Briefe werden geadelt durch die Musik. Das ist das Reizvolle für mich.

Zu Ihrer Lesung bekommt das Publikum noch die vier Flötenquartette zu hören. Passen die denn zu den Briefen?

Well: Ja freilich. Die Flötenquartette wurden ziemlich genau zur Zeit der Bäsle-Briefe komponiert, also als Mozart etwa 20 Jahre alt war. Sie sind heiter, leicht und luftig, wie die Briefe.