Programm

Wolfgang Amadeus Mozart war nicht nur ein musikalisches Genie, er war auch Zeit seines Lebens ein produktiver Briefeschreiber. Unter anderem unterhielt er mit seiner Cousine, Maria Anna Thekla Mozart, einen regen Briefwechsel.

In den berühmten Bäsle-Briefen treibt Mozart ausgelassenen, derben Schabernack, schreibt gern mal rückwärts oder reimt darauf los. Manch einer mag sagen dass er hier und da sogar den Dadaismus vorwegnimmt.

Mitglieder

Christoph Well

christophChristoph Well wurde 1959 als vierzehntes und vorletztes Kind der Lehrerfamilie Well in Günzlhofen geboren. Ab 1962 sorgte er im Verbund mit seinen Eltern und Geschwistern für die musikalische Gestaltung von Vereinsfesten, Weihnachtsfeiern, sowie Feuerwehrjubiläen im gesamten Fürstenfeldbrucker Raum bis hin nach Pöttmes und Augsburg. Mit neun Jahren machte Christoph Well die Entdeckung, dass er Trompete spielen kann. Weitere neun Jahre später machte Sergiu Celibidache dieselbe Entdeckung und berief ihn zum Solo-Trompeter der Münchner Philharmonikern. Aus medizinischen Gründen gab er die Stelle nach drei Jahren wieder auf, um sich mit einem persönlichen Stipendium Celibidaches an der Münchner Musikhochschule zum staatlich geprüften Diplomharfenisten ausbilden zu lassen. 1976 gründete er mit seinen Brüdern Hans und Michael die Biermösl Blosn, der es gelang, die CSU in Bayern zunächst unter 100%, und im Jahre 2009 unter 50% zu spielen. Großen Anteil an diesem Erfolg hat auch Gerhard Polt, mit dem die drei Brüder seit 1980 zusammenwirken.

// Text

Andrea Ikker

andreaIm Jahre 955 überlebten Andrea Ikkers ungarische Vorfahren das Debakel auf dem Lechfeld bei Augsburg. 1025 Jahre später wurde die angehende Flötistin durch eine Laune des Schicksals im Alter von 11 Jahren erneut in süddeutsche Gefilde verschlagen. Ihr künstlerischer Werdegang führte sie über Stationen wie das Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris, die Musikhochschule Köln und das Philharmonische Orchester Gelsenkirchen. Im Jahre 1997 bewarb sie sich – im Gegensatz zu Mozart erfolgreich – um eine Anstellung in München und ist seitdem Flötistin an der Bayerischen Staatsoper. Ihre magyarische Vergangenheit versucht sie als Übersetzerin ungarischer Literatur aufzuarbeiten. Mit Erfolg.

// Querflöte

David Schultheiß

SchultheißHätte David Schultheiß, Jahrgang 1979, das Licht der Welt ein paar Jahre früher erblickt, so wären die Chancen wohl nicht schlecht gestanden, mit Mozart persönlich durch Mannheims Kneipen zu ziehen: wuchs der Geiger doch im benachbarten Ludwigshafen-Oggersheim auf, Bundeshauptstadt von 1982 bis 1998. Der Ärger über diese verpasste Gelegenheit währte aber nur kurz, und so folgte David Schultheiß dem Beispiele Kurfürst Karl Theodors und verlegte seine Residenz vom Rhein nach München, wo er dem Bayerischen Staatsorchester seit 2009 als 1.Konzertmeister angehört. In gleicher Funktion war er zuvor bereits beim Folkwang Kammerorchester Essen und beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn tätig gewesen. Wichtige Wegbegleiter auf seinem künstlerischen Werdegang waren neben seinen Lehrern Franz Sykora, Edith Peinemann und Christoph Poppen auch Musikerpersönlichkeiten wie Shmuel Ashkenasi und Ivry Gitlis.

// Violine

Wolfgang Berg

wolfgangWolfgang Berg wurde 1959 in dem kleinen Eifelstädtchen Prüm geboren. Im ersten Erwachen seiner Affinität zur Musik galt seine Liebe zunächst der Geige, die er dann aber bald gegen die Bratsche eintauschte, als in der Pubertät seine sämtlichen Glieder – besonders aber die Arme – lang und länger wurden. Bis er sich zu seiner vollen Größe von 1,93 m auswuchs, hatte er ein Studium in Köln bei Rainer Moog und Hariolf Schlichtig absolviert, war Solobratscher des European Community Youth Orchestra gewesen, hatte bei renommierten Klangkörpern wie der Deutschen Kammerakademie Neuss, der Camerata Academica Salzburg und dem Ensemble Modern mitgewirkt. Im weiteren Verlauf seiner Karriere kam es im Kammermusikbereich zu zahlreichen Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen sowie zur Mitwirkung bei berühmten Musikfestivals wie Salzburg, Edinburgh oder Kuhmo. Mit seinem 1989 gegründeten Klavierquartett „Enigma Ensemble“ spielte er die frühen Quartette von L. van Beethoven und R. Strauss auf CD ein. Seit 1990 ist Wolfgang Berg Mitglied der Münchner Philharmoniker. Bei seinem damaligen Umzug vom Rheinland nach Bayern führte ihn sein Weg über die A8 an Augsburg vorbei.

// Viola

Yves Savary

yvesYves Savary erhielt seinen ersten Cellounterricht in seiner Geburtsstadt Basel bei Michael Jappe. Sein Wunsch nach einem Studium in Amerika wurde dadurch zerschlagen, dass Heinrich Schiff nach Basel kam, bei dem Yves Savary sein Studium absolvierte. Nach seinem Abschluss setzte er seine Auswanderungspläne endlich in die Tat um und erwählte Bayern zu seiner neuen Heimat, dessen liberale, von der schweizerischen inspirierte und von Wilhelm Hoegner begründete Verfassung den idealen politischen Hintergrund für seine künstlerische Entfaltung bot. Yves Savary ging es nie um eine Weltkarriere, er wollte Solocellist eines brauchbaren Orchesters werden. Dieser Traum erfüllte sich, als er im Jahre 1986 im Alter von 22 Jahren an die Bayerische Staatsoper berufen wurde. Seine kammermusikalische und solistische Tätigkeit führte den Basler in die Bäsle-Stadt Augsburg und in alle wichtigen Musikmetropolen rund um den Globus. Yves Savary arbeitet mit Persönlichkeiten wie Witold Lutoslawski, Wolfgang Sawallisch und Zubin Mehta.

// Cello

Entstehung der Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart und seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart kannten sich seit früher Kindheit. Auf den zahlreichen Reisen, die die Familie Mozart unternahm, um das Wunderkind an Europas Höfen vorzuführen, hatten sie sich in Augsburg immer wieder getroffen. Doch nun, im Oktober 1777, begegneten sich die beiden erstmals als junge Erwachsene: 
Mozart war 21, seine Cousine 19. Eine intensive Freundschaft entstand und setzte einen regen Briefwechsel in Gang, von dem neun Briefe Wolfgangs erhalten sind. Sie zeugen allesamt von einer großen Vertrautheit und Nähe. Derbe Späße, freundschaftliche Albernheiten und erotische Anspielungen wechseln sich ab.

Aus heutiger Sicht wirkt vieles in diesen Briefen lustig
 – beispielsweise die Parodien leerer Höflichkeitsfloskeln oder die Nonsens- Reimereien –, einzig Mozarts fäkale Witze klingen stellenweise überraschend vulgär. Nicht so, oder viel weniger, für damalige Ohren. Denn so strikt sich die Formalität im Umgang mit sozial über- und untergeordneten Menschen im 18. Jahrhundert gestaltete, so groß war auch die Informalität zwischen sozial Gleichberechtigten. Beide Verhaltensweisen gingen weit über das hinaus, was wir heute für angebracht halten. Im Bürgertum von Salzburg und überhaupt des süddeutschen Raumes waren damals sprachliche Spielereien rund um die Verdauung weit verbreitet. Redewendungen wie »Reck den arsch zum mund« oder »scheiss ins beth das kracht« waren gebräuchlich und wurden im Hause Mozart selbst von der Mutter verwendet.

Insofern erweisen sich Mozarts Späße zwar als schelmisch und ausgelassen, denn sie gehen über die festgefügten, codierten Fäkal-Formeln hinaus, sie zeigen den großen Musiker aber auch einfach als Kind seiner Zeit.

Wenig bis nichts verraten die Briefe dagegen davon, dass sie allesamt
in einer für den Verfasser schwierigen und turbulenten Zeit geschrieben wurden. 1777 verließ Mozart seine Geburtsstadt Salzburg und brach in Begleitung seiner Mutter nach München und Augsburg auf, um irgendwo eine Anstellung zu finden. Doch erst in Mannheim, wohin er von Augsburg aus reiste, zeichnete sich eine mögliche Zukunft ab. Er verkehrte in der höfischen und bürgerlichen Musikwelt und verliebte sich in die Sängerin Aloysia Weber. Als er sich endlich traute, dem strengen Vater seine Neigungen anzuvertrauen, schleuderte dieser ihm sein berühmtes »Fort mit Dir nach Paris!« (Brief vom 12.2.1778) entgegen. Von diesen schwerwiegenden Konflikten lassen die Briefe an die Base kein Wort verlauten, nur die Abfahrt nach Paris wird erwähnt (Brief vom 28.2.1778). Auch der nächste Brief (23.12.1778), auf der Rückreise von Paris geschrieben, verschweigt, wie verheerend der dortige Aufenthalt gewesen war. Die Mutter starb in der französischen Hauptstadt an Typhus, und die musikalische Anerkennung blieb Mozart verwehrt. Dennoch versuchte er die Rückreise nach Salzburg, wo ihm der Vater eine neue Stelle als Hoforganist und Konzertmeister verschafft hatte, hinauszuzögern.

Er begab sich nach München, um
dort abermals eine Anstellung zu suchen, und sich um Aloysia Weber zu bemühen. Seine Cousine lud er ebenfalls dorthin ein. Als das Bäsle ankam, hatten sich jedoch alle Hoffnungen Mozarts bereits zerschlagen: Weder hatte er eine Stelle bekommen, noch Aloysia sein Werben erhört. Cousin und Cousine reisten daraufhin gemeinsam nach Salzburg.

Den letzten Brief erhielt die Base, nachdem sich Mozarts Lebensumstände erneut dramatisch verändert hatten. Mit der Oper Idomeneo war ihm 
in München der Durchbruch gelungen, woraufhin er in Salzburg seine Entlassung provozierte, um gegen den Willen des Vaters als freischaffender Komponist nach Wien zu gehen. Dort kreuzten sich Mozarts Wege erneut mit denen der Familie Weber: 1782 heiratete er Aloysias Schwester Constanze.

Sein letzter Brief an die Base vom Oktober 1781 ist denn auch in einem ganz neuen Ton gehalten, die Albernheiten fehlen, die Mitteilungen sind äußerst sachlich. Eine neue Lebenshaltung wird spürbar, genauso wie die wachsende Entfremdung zwischen Cousin und Cousine.

Kurze Zeit später schaute sich auch Maria Anna Thekla, die als schön, liebenswert, klug, humorvoll und lebenslustig galt, anderweitig um 
und brachte 1784 eine uneheliche Tochter zur Welt. Kindsvater war ein Augsburger Domkapitular, der Mutter und Kind großzügig versorgte. 1808 zog sie nach Kaufbeuren ins Haus ihres Schwiegersohnes, 1814 übersiedelte die Familie nach Bayreuth, wo Maria Anna Thekla im Jahr 1841 starb.