Einblick in Mozarts flottes Leben

Stofferl Well las in Wörth aus den Briefen des berühmten Komponisten. Er zeigte dabei vor allem die menschlichen schwächen des Muiksers auf von Sebastian Schmid

MZ 

WÖRTH – Mit seiner ganz eigenen Interpretation von Mozart trat Christoph Well am Sonntag in Wörth auf. Über sein Programm sagte er selbstbewusst: „Mozart in dieser Qualität werdet ihr nie wieder hören.“ Während die meisten Menschen Mozart mit wunderbarer Musik, wie der Zauberflöte verbinden, konzentrierte sich Stofferl Well mehr auf die menschliche Seite des großen Meisters.

Er las aus acht Briefen vor, die das Wunderkind während seiner zahlreichen Reisen an Bekannte, Freunde und Geliebte schrieb. „Diese acht Briefe sind gottseidank der Familienzensur nicht zum Opfer gefallen“, sagt Stofferl Well. „Sie sind uns erhalten geblieben und geben uns einen Einblick in das Leben des Musikers.“ Er versuchte den Dialekt, in dem Mozart vermutlich sprach, mit einfließen zu lassen: „Das war wahrscheinliche eine Mischung aus bayerisch und schwäbisch.“ Humorvoll zeichnete Stofferl Well das bewegte Leben des Ausnahmekünstlers nach: „Er wollte nicht nach Salzburg zurück. Vielleicht waren ihm die Mozartkugeln zu süß.“

Stofferl Well ging bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus, als er die Verdauungsgewohnheiten Mozarts zum Thema machte: „Die Leute haben damals auf Reisen viel Kraut gegessen.“ Dann zitierte er: „Mein Arsch brennt wie Feuer, vielleicht will Dreck heraus.“

Aus einem Brief an Mozarts Cousine las Stofferl Well vor: „Allerliebstes Bäsle-Häsle, ich wünsche eine gute Nacht, scheißen sie ins Bett, dass es kracht.“ Das Kontrastprogramm dazu kommt in Form der vier Musiker, die zwischen den einzelnen Briefen die musikalischen Werke Mozarts würdigen. Andrea Ikker mit der Flöte, David Schultheiß mit der Violine, Wolfgang Berg mit der Viola und Yves Savary mit dem Violoncello. Die Spitzenmusiker, die unter anderem an der Bayerischen Staatsoper wirken, geben Flötenquartette Mozarts zum Besten. Die Stücke, die das „Bäsle-Quartett“ wiedergab, entstanden etwa zur gleichen Zeit, wie die Briefe, die das tragende Element des Abends bildeten.