Wolfgang Amadeus Mozart und die Bäsle-Briefe

Eine Aufführung der besonderen Art im Feuchtwanger Kasten begeisterte das Publikum von Elke Walter

Feuchtwangen – „Wolfgang Amadeus Mozart ist für mich der liebe Gott der klassischen Musik“, so der Musiker und Musikkabarettist Christoph „Stofferl“ Well. Das Salzburger Musikgenie aber hatte auch eine menschliche Seite, mit ganz alltäglichen Wünschen und Eigenheiten. In seinem aktuellen Programm „Ich küsse Sie tausend Mals“ las Well am Freitagabend aus Mozarts Briefwechsel mit seiner Cousine Anna Maria Thekla Mozart (gestorben am 25. Januar 1841 in Bayreuth).

Bekannt geworden ist die Korrespondenz als „Bäsle-Briefe“. Sie zeigen den Komponisten von einer ganz anderen Seite.
Zusammen mit dem Bäsle-Quartett entstand ein Mozart-Porträt zwischen Genie und vulgärem Possenreißer.

Schon die Einführung brachte die Besucher im „Kasten“ zum Lachen. Christoph Well erzählte vom Kennenlernen Mozarts und seiner Cousine als Kinder und dem Wiedersehen als junge Erwachsene im Oktober 1777 in Augsburg. In den Jahren bis 1781 entstand ein sehr vertrauter Briefwechsel der beiden. Erhalten seien aber nur neun Briefe aus der Feder Mozarts, der Rest und vor allem die des Bäsles seinen vermutlich der „innerfamiliären Zensur Constanze Mozarts“ zum Opfer gefallen.

Aus den verbliebenen Briefen des Salzburger Wunderkindes las Christoph Well vor. „Ma très chère Cousine, bevor ich Ihnen schreibe, muss ich aufs Häusl gehen…“ Humor und derbe, bisweilen vulgär-ordinäre Phrasen, aber auch das literarische Talent, die Freude mit Worten zu spielen und zu reimen, charakterisieren seinen Schreibstil. Sprachlich eine Mischung aus Schwäbisch, Salzburgerisch und Hochdeutsch – jedoch von Well vorgelesen im breiten Bairisch.

Letzterer verstand es vorzüglich, Mozart als Verfasser dieser Briefe lebendig werden zu lassen, ihm mit kabarettistischem Feingefühl „aufs maul zu schauen“. Mit viel Witz und Schelmerei porträtierte jener den verliebten jungen Mann und seine Ausdrucksweise lesend und hintersinnig moduliert.

Zeitgleich, „geschrieben mit derselben Feder“, komponierte Wolfgang Amadeus Mozart einige seiner bekanntesten Flötenquartette.

Eine Auswahl dieser Werke präsentierte das Münchner „Bäsle-Quartett“: Andrea Ikker (Flöte), Yves Savary (Cello), beide an der Bayerischen Staatsoper, ulrike Collins (Violinistin bei den Münchner Symphonikern) und Wolfgang Berg (Bratscher bei den Münchner Philharmonikern).

Die meisterhafte musikalische Darbietung dieses hochkarätig besetzten Kammermusik-Quartetts und die exzellente Lesung Christoph Wells zeichneten ein eindrucksvolles Bild des Komponisten. Stets voller Respekt gegenüber dem berühmten Salzburger.