Derbe Scherze, saftige Grobheiten

Christoph Well zitiert aus den Botschaften von Wolfgang Amadeus Mozart – hm

Penzberg – Ach, was sind wir kultiviert! Wir lassen uns von Mozarts herrlicher Musik erheben, genießen die perlenden, tanzenden Melodien, applaudieren der manierlichen Interpretation der versierten Künstler aus namhaften Orchestern und würdigen kenntnisreich den Wohlklang des 250 Jahre alten Cellos, quasi ein direkter Gruß aus Mozarts Zeit. Doch die brieflichen Grüße Mozarts, in denen es zum nicht geringen Teil um Flatulenzen geht, bringen uns in ästhetische Verlegenheit – wir gigeln uns nur innerlich, anstatt laut zu lachen, wie es vermutlich die Adressatin, das Bäsle, getan hat, über die derben Scherze ihres Lieblingscousins. Das Postgeheimnis wurde gebrochen und in Reclam-Heftchen wohlfeil unters Volk gebracht. Christoph Well blieb es in der Stadthalle vorbehalten, uns zu Mitwissern der Botschaften zwischen Amadeus, dem „edlen Sauschwanz“ und seinem „allerliebstne Bässe Häsle“ zu machen.

Unverkrampft und wie im Plauderton zitiert Well aus den Briefen, lässt die Mozartsche Fabulierlust erblühen, Wortspiele und Reime klingeln, reitet eine Kavalkade der Verwünschugen, weil das Paket das versprochene Porträt wieder nicht enthalten hat, oder gibt sachlich Auskunft über die Wohnsituation und Reisepläne des Schreibers. Wir dürfen dabei sein, wenn mozart der treffendsten Formulierung nachspürt, die Worte mit Feder und Tinte gedankenverloren auf dem Papierbogen hin- und her wälzt. „Oh, Courios!“

Dank Christoph Wells warmen Dialekt und einfühlsamer Vortragsweise muteten auch die saftigsten Grobheiten nicht obszön an. Denn so munter und lebendig wie Mozarts Musik daherkommt, so verspielt und leichtlebig geht er auch mit Worten um. Neben all den deftigen Flegeleien ist auch viel Zärtliches und Liebevolles in den Zeilen an Maria Anna Thekla Mozart. So sahen das auch Stofferl Well und die Musiker. Am Ende des Ausflugs ins 18. Jahrhundert verbandelten sie die beiden musikalisch mit dem Hochzeitsmarsch.

Dank an das Kleinkunst-Team, das das Ereignis nach Penzberg gebracht hat und ein Vravo an Andrea Ikker (Querflöte, Bayerische Staatsoper), Ulrike Collins (Geige, Münchner Symphoniker) und Yves Savary (Cello, Bayerische Staatsoper) für ihre wunderbare Darbietung der Mozartschen Flötenquartette, die zur gleichen Zeit wie die Briefen entstanden sind.