Großer Komponist und derber Brieffreund

Christoph Well und das Bäsle-Quartett unterhalten in der Stadthalle mit Versen und Musik des jungen Mozart von Max Riegel

Germering – Wer Mozart hört, denkt zuerst an den genialen Komponisten und danach vielleicht an üppig gefüllte Schokoladenkugeln. Das ist zwar legitim, vernachlässigt aber, was Mozart auch war: ein gewitzter Briefeschreiber. Zumindest, wenn er seiner Cousine Maria Anna Thekla schrieb. oder wie er sie nannte, seinem Bäsle.

Aus diesen Bäsle-Briefen las Christoph Well in Germering. Das ihn begleitende Bäsle-Quartett, die Flötistin Andrea Ikker von der Bayerischen Staatsoper, Violinistin Ulrike Collins (Münchner Symphoniker), Bratschist Wolfgang Berg (Münchner Philharmoniker) sowie der Solocellist der Staatsoper, Yves Savary, spielte dazu Werke des großen Salzburgers.

Dabei bildeten Musik und Text einen Kontrast. Denn in den Briefen geht es häufig um diverse Toilettengänge. Daraus macht Mozart ebenso alberne wie derbe Reime. „Ich wünsch eine gute Nacht, scheiß ins Bett, dass‘ kracht“ etwa. Oder diesen Vers:“ Ich scheiß seit 22 Jahren aus dem gleichen Loch und es ist noch nicht gerissen. Und ich hab schon oft geschissen.“

Den jungen Briefeschreiber auf die fast schon inflationäre Anhäufung besagten Wortes zu reduzieren, würde ihm aber nicht gerecht. Denn Mozart schreibt so wunderbar abgefahren, dass er auch durchaus als Sprachvirtuose Karrierechancen gehabt hätte. So sendet er an seine Cousine folgende Zeilen: „Allerliebstes Bäsle häsle. Ich habe dero mir so werte Schreiben richtig erhalten falten, und daraus ersehen drehen, dass der Herr Vetter Retter, die Frau Bas Has und sie wir recht wohl auf sind hind. Wir sind auch Gott lob und Dank recht gesund Hund.“ Dem Ganzen gibt der in Günzelhofen gebürtige Well mit seiner frechen Stimme einen herrlichen Witz. Ansonsten erzählt Mozart aus seinem Leben außerhalb Österreichs und eher Belanglosem. Seine Briefe regen nicht unbedingt zum Nachdenken an. Wohl aber zerstreuen und unterhalten sie.