Mozart von der deftigen Seite

Lesung mit Stofferl Well in Penzberg von Katrin Fügener

Penzberg – Das waren noch Zeiten, als Liebesbezeugungen Tage, oft Wochen sehnsüchtig erwartet wurden, bis die Kutsche mit den mühsam per Feder aufs Papier gebrachten Sehnsuchtsbeteuerungen eintraf. Wenn dann noch der Verfasser ein junger Künstler war, der göttliche Musik komponierte, war die Freude sicher doppelt groß. Dieser nachspüren konnten gut hundert Zuhörer am Freitag, als Stofferl Well Mozarts „Bäsle-Briefe“ in der Stadthalle Penzberg zum Besten gab.

Wobei mancher Zuhörer offensichtlich erstaunt war ob der deftigen, gar zotigen Sprache des jungen Genies. Hatte man sich jedoch an den lässigen Umgang mit der Fäkalsprache gewöhnt (und sich dabei vielleicht mit der Erklärung von Well beholfen, der die große Aufmerksamkeit auf die Verdauung dem täglichen Kohlverzehr jener Zeit zuschrieb) konnte man sich wunderbar an Mozarts Sprachspielen und -kompositionen erfreuen. Der Meister der Noten jonglierte ebenso fein mit den Buchstaben, verdreht Worte und erfand neue, um seine handfesten, frechen, erotischen Liebesschwüre in die perfekte Melodie zu bringen.

So richtig hörbar wurde das durch Wells Vortragsweise: stets von einem kleinen Augenzwinkern begleitet, mal gesungen, mal als Gstanzl, mit richtig abgestimmten Pausen an den richtigen Stellen, auf Lateinisch, Französisch oder Bayerisch – denn Wienerisch habe Mozart nie leiden können, wie Well eingangs wissen ließ. Mozart erzählte in den zwischen 1777 und 1781 entstandenen Briefen an Cousine Maria Anna Thekla von Sehnsucht und Bauchgrimmen, Fassnacht und Komponierstress, Treue und den Tücken der französischen Sprache.

Zwischen den Absätzen sielte sich das „Bäsle-Quartett“ in die herzen des Publikums. Nicht nur Andrea Ikker, Flötistin der Bayerischen Staatsoper, sondern auch ihre durchgängig hochkarätigen Kollegen Wolfgang Berg, Ulrike Colling und Yves Savary verzauberten das Publikum mit berührenden und fröhlichen Interpretationen der berühmten Flötenquartette und ergänzten so wunderbar die den Briefen doch etwas fehlende Romantik.

Die Erwartung, dass er ein wenig „Biermösl“ mitbringen würde, enttäuschte Christoph Well nicht. Er zeigte sich bestens über Penzberg informiert und wusste sein Wissen mit trockenem humor einzuflechten. Ein amüsantes Jahresabschlussprogramm der Aktion „KleinKunst“, das mit begeistertem Applaus und einem Hochzeitsmarsch endet, bei dem Well das „Bäsle-Quartett“ mit der Querflöte verstärkte.