Interview mit Donauwörther Zeitung

Donauwörth

Herr Well, mit den Biermösl Blosn sind Sie schon mehrmals im Landkreis aufgetreten, beispielsweise in Donauwörth, Monheim und Harburg. Gibt es einen Auftritt, der Ihnen hier besonders in Erinnerung geblieben ist?

Well: Jeder Auftritt hat etwas besonderes, vor allem die Leute sind immer anders. In Monheim waren wir in einer Halle, das weiß ich noch, und die war sehr schön. Im Donauwörther Tanzhaus war die Brotzeit besonders gut. Mit dem Landkreis Donau-Ries verbinde ich natürlich den Schüttel-Schorsch und den netten Dialekt.

Was verbinden Sie mit Donauwörth?

Well (lacht): Eine witzige Geschichte, die im Rathaus passiert ist. Damals hat Jürg Hube noch gelebt. Wir hatten einen gemeinsamen Auftritt mit ihm in Donauwörth und sollten uns ins goldene Buch eintragen. Jörg hat sich hingesetzt und dann ist plötzlich der Stuhl unter ihm weggerutscht. Der hatte Rollen dran, das war lustig, weils dem Bürgermeister irgendwie peinlich war. Jörg hat den Sturz aber unbeschadet überstanden.

Am Freitag, 20. April, lesen Sie im Donauwörther Gallussaal aus „Mozarts Schelmereien.“ Wie kommt der Umschwung von bissiger, politischer Satire zur Klassik?

Well: Das ist eigentlich kein Umschwung, ich habe mich schon immer für Klassik und Literatur interessiert. Nun kann ich mich mehr darauf konzentrieren. Es gibt schließlich auch noch andere Dinge, die Spaß machen, außer politischer Satire. Man will ja auch nicht jeden Tag Grießbrei essen, obwohl er saugut schmeckt.

Sie werden Briefe lesen, die Mozart seiner Cousine, Maria Anna Thekla Mozart, geschrieben hat. Über was haben sich die beiden unterhalten?

Well: Es gibt leider nur noch Briefe von Mozart, die vom Bäsle sind verschollen. Ich denke, die Briefe sind einer innerfamiliären Zensur zum Opfer gefallen, aber das ist natürlich nur eine vage Vermutung. Man merkt in Mozarts Briefen, dass sie sich gegenseitig die Bälle zugespielt haben und seine Cousine nicht auf den Mund gefallen war. Mozart hatte ein relativ unverkrampftes Verhältnis zu seiner Verdauung, und das hat er auch mitgeteilt, aber nie ordinär oder gschert, die Geschichten haben einen sehr unterhaltsamen, lustigen Charme. Mozart war ein dadaistischer, valentinesker, satirischer Schreiber und ich denke, in den Briefen zu seiner Cousine konnte er viel Druck ablassen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Bäsle-Quartett entstanden, das Sie im Gallus Saal musikalisch begleiten wird?

Well: Wir haben uns in der Oper in München kennen gelernt, dort haben wir ab und zu die Bühnenmusik für die Operette „Die Fledermaus“ gespielt. Mit den Musikern des Bäsle-Quartetts habe ich versucht, die Texte und die Musik von Mozart ineinander zu verweben. Es gibt einen schönen, dramaturgischen Ablauf. Und es wird einem klar, dass mein lieber Gott der Musik halt auch ein Mensch war, mit allen menschlichen, also auch körperlichen Nöten.

Im Januar sind Sie zum letzten Mal mit den „Biermösl Blosn“ in Fürth aufgetreten. Wie haben Sie sich danach gefühlt?

Well: Ach, eigentlich ganz gut. Natürlich war auch Wehmut dabei, so ist das immer, wenn etwas zu Ende geht. Aber wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf. Jetzt habe ich die Möglichkeit, mich noch einmal auszuprobieren. Ich hätte sonst zum Beispiel nie die Bäsle Briefe gelesen. Man entdeckt Sachen an sich, die man sich vorher nicht zugetraut hätte.

…zum Beispiel?

Well: Liedtexte und Bühnenstücke selber schreiben. Oder im Sommer gehe ich mit einem klassischen Musikprogramm mit einem Organisten auf eine Tournee durch Polen. Wir treten in verschiedenen Kirchen auf. Zugetraut hätte ich mir das zwar auch schon früher, aber ich habe nun die Zeit dazu, es auch zu machen.

Was ist es für ein Gefühl, nach 35 Jahren ohne Ihre beiden Brüder auf Tour zu gehen?

Well: Es ist angenehm. Wenn man als 14. Kind in einer Großfamilie aufwächst, ist es oft schwer, seine eigene Individualität zu entdecken und auszuleben. Klar ist es schön, mit der Verwandtschaft auf der Bühne zu stehen, es ist aber auch schön zu wissen, dass man es auch gut alleine kann.

Streiten Sie sich nun weniger mit ihren Brüdern, seitdem Sie nicht mehr gemeinsam als Biermösl Blosn auftreten?

Well: Ich stehe zur Zeit mit zwei meiner sieben Brüder und drei meiner sieben Schwestern, den Wellküren, mit „Fein sein, beinander bleiben“ auf der Bühne der Münchner Kammerspielen. Das ist jetzt schon viel entspannter und auch frischer. Der Existenzkampf ist nicht mehr so stark untereinander. Durch die neue Besetzung können wir auf der Bühne auch kleinere Familienstreitigkeiten aufgreifen, die vorher tabu waren. Jeder hat nun mehr Distanz zu sich und der Sache.

Was planen Sie für Ihre zukünftige Karriere?

Well: Viel. Wir spielen bestimmt noch ein Jahr unser Stück in den Kammerspielen, in dem auch meine Mutter mit ihren 92 Jahren dabei ist. Mit meinen Brüdern Michael und Karli habe ich die „Wellbrüder aus’m Biermoos“ gegründet. In dieser Formation treten wir demnächst auf allen möglichen Bühnen auf, unter anderen mit Gerhard Polt. Ich moderiere nach wie vor meine Radiosendung auf Bayern+ und möchte gerne ein Bühnenprogramm über die bayerische Sprache machen. Mit dem Bayerischen Rundfunk plane ich eine Fernsehsendung, in der wir die politische Situation und Musik in den verschiedenen Regionen Bayerns vorstellen. Und mit Vergnügen denke ich da schon jetzt an eine Sendung über Donauwörth.